Lawinengefahr nach dem Neuschnee: Heikle Schneedecke in den Alpen

Nach den intensiven Schneefällen der vergangenen Tage ist in vielen Regionen der Alpen eine heikle Lawinensituation entstanden – und auch wenn der erste Sturm vorbei ist, bleibt die Gefahr noch länger bestehen.

Oberhalb von rund 2000 Metern sind lokal bis zu 1,5 Meter Neuschnee gefallen, dazu kam teils starker Wind, der grosse Mengen Schnee in Hänge verfrachtet und gefährliche Triebschneeansammlungen aufgebaut hat.

SchneeToni, Markenbotschafter von Polizei.news, war am Dienstag, 13. Januar 2026, in Schwanden GL unterwegs und informierte in einer Live-Fahrt über die aktuelle Lawinensituation. Innerhalb kurzer Zeit konnten mehrere kleinere Lawinenabgänge beobachtet werden – ein deutliches Zeichen für eine instabile Schneeschicht und eine erhöhte Gefahr im alpinen Gelände.



Besonders an steilen Hängen kam es zu spontanen Abgängen ohne äussere Einwirkung. Die Beobachtungen verdeutlichen, wie rasch sich Lawinen derzeit lösen können. Auch wenn es zwischenzeitlich ruhig erscheint, bleibt die Gefahrenlage angespannt.

Ein wesentlicher Faktor ist die aktuelle Wetterlage: Die Temperaturen liegen bei fast 10 Grad plus. Gleichzeitig ist in den vergangenen Tagen im Glarnerland Neuschnee gefallen. Durch die milde Witterung beginnt der Schnee zu schmelzen, stabile Unterlagen fehlen vielerorts. Dadurch steigt das Risiko erheblich, insbesondere abseits gesicherter Pisten.

Derzeit treten vermehrt nasse Schneelawinen auf. Auch in den kommenden Tagen ist weiterhin mit einer erhöhten Lawinengefahr zu rechnen. Eine Entspannung der Situation ist aktuell nicht absehbar.

Polizei.news weist in diesem Zusammenhang eindringlich auf die geltenden Sicherheitsregeln hin. Warnungen erfolgen nicht leichtfertig, sondern dienen dem Schutz aller Betroffenen sowie der Einsatzkräfte, die im Ernstfall ausrücken müssen. Es wird dringend empfohlen, ausschliesslich auf den markierten Pisten zu bleiben und Touren abseits davon konsequent zu vermeiden.

Auch wenn das Wetter freundlich wirkt und die Landschaft idyllisch erscheint: Gerade diese Bedingungen können trügerisch sein. Die Gefahr wird leicht unterschätzt, obwohl sie real und akut ist.

Polizei.news appelliert daher an alle Wintersportler, umsichtig zu handeln, Warnhinweise ernst zu nehmen und sich strikt an die Vorschriften zu halten – lieber einmal zu viel vorsichtig als einmal zu wenig.

Vom Tiefschnee-Traum zur Lawinenfalle

Auf den ersten Blick wirken die Bilder dieser Tage verlockend: verschneite Wälder wie im Brauwald, frisch eingeschneite Hänge bei Schwanden, glitzernde Eiszapfen am Wiggis bei Netstal. Doch genau diese Wetterabfolge – viel Neuschnee, danach Sonnenschein und anschliessend Regen in tieferen und mittleren Lagen – macht die Schneedecke komplex und instabil.

Neuschnee lagert sich auf alten, teils verharschten oder schwachen Schichten ab. Wind transportiert den lockeren Schnee in Rinnen, Mulden und Leehänge und baut dort „verdeckte“ Triebschneepakete. Regen bis in höhere Lagen schwächt die Schneedecke zusätzlich, sorgt für Durchfeuchtung und kann Nassschneelawinen auslösen. Schon eine geringe Zusatzbelastung – etwa eine einzelne Person abseits gesicherter Pisten – kann dann genügen, um ein Schneebrett auszulösen.


Verschneite Wälder bei Brauwald

Reichlich Neuschnee






Aktuelle Lawinenlage: Entspannung auf hohem Niveau

Direkt nach den ergiebigen Schneefällen lag die Lawinengefahr in Teilen der Schweizer Alpen verbreitet bei Stufe 4 („gross“). Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt, doch in vielen Regionen gilt weiterhin eine erhebliche Lawinengefahr (Stufe 3), lokal auch darüber – besonders oberhalb der Waldgrenze und in windbeeinflussten Steilhängen.

Stufe 3 („erheblich“) ist die Gefahrenstufe, bei der statistisch die meisten tödlichen Lawinenunfälle passieren. Schneebretter können schon durch eine einzelne Person ausgelöst werden, vor allem in steilen Nord-, Ost- und Westhängen mit eingewehtem Schnee. Wer jetzt Touren plant oder Variantenabfahrten sucht, bewegt sich also weiterhin in einem Umfeld mit erhöhtem Risiko – gerade weil die Landschaft vielerorts bereits wieder friedlich wirkt.


Geräumte Strassen in Schwanden

Sonnenschein in Schwanden




Sicht auf Wiggis bei Netstal mit riesigen Eiszapfen

Fünf zentrale Punkte für mehr Sicherheit

1. Lawinenbulletin nutzen

Vor jeder Tour das aktuelle Bulletin des SLF konsultieren: Gefahrenstufe, Expositionen, Höhenbereiche, typische Problemzonen. Hinweise auf Triebschnee, Altschneeprobleme oder Nassschnee bestimmen die Routenwahl.

2. Route an die Verhältnisse anpassen

Steile Hänge über 30 Grad meiden, vor allem in den Expositionen, die im Bulletin als kritisch genannt sind. Bei erhöhter oder grosser Gefahr auf flachere Touren oder ausschliesslich gesicherte Pisten ausweichen.

3. Triebschnee und Warnsignale erkennen

Frische Windzeichen beachten: abgeblasene Rücken, eingewehte Rinnen, Wächten an Graten. Risse in der Schneedecke, „Whumpf“-Geräusche oder Setzungen sind klare Warnsignale für Instabilität.

4. Standardausrüstung mitführen

LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät), Sonde und Schaufel gehören ausserhalb gesicherter Pisten zur Grundausrüstung aller Gruppenmitglieder. Ergänzend helfen Erste Hilfe, passende Bekleidung, ein geladener Handy-Akku und für häufige Tourengeher ein Airbag-Rucksack.

5. Entscheidungen in der Gruppe treffen

Gruppendruck bewusst ansprechen und klare Stopps definieren: Wo wird umgedreht, wo wird verzichtet? Steile Passagen einzeln befahren und Sammelpunkte nur an sicheren Stellen wählen. So bleibt mehr Spielraum, um auch bei verlockenden Verhältnissen sichere Entscheidungen zu treffen.

 

Quellen: Lawinenbulletin und Schneesituation – WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF / WhiteRisk – Lawinenbulletin und Schneesituation Schweiz / AvaBlog 9.–11. Januar 2026 – Einschätzung der Neuschnee- und Lawinenlage / SLF Gefahrenkarte „Lawinengefahr“ und Erläuterungen zu den Gefahrenstufen / Hochblau – „Lawinenbulletin Schweiz: aktuelle Einschätzung vom SLF“ / Hintergrundartikel „Lawinenlage in den Alpen im Januar 2026“
Bildquellen: Bild 1: => Symbolbild © Marcus Placidus/Shutterstock.com; sonstige Bilder: => SchneeToni/Polizei.news

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